
Senatoren fordern Mitspracherecht bei Zöllen
In einem seltenen Moment parteiübergreifender Einigkeit stellten die US-Senatoren Chuck Grassley aus Iowa und Maria Cantwell aus Washington am Donnerstag ein Gesetz vor, das die Kontrolle des Kongresses über die Zollpolitik der Vereinigten Staaten stärken soll. Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass der Präsident den Kongress innerhalb von 48 Stunden nach Einführung neuer Zölle benachrichtigt und dass diese Zölle innerhalb von 60 Tagen vom Kongress genehmigt werden müssen, andernfalls verlieren sie ihre Gültigkeit.
Grassley, ein Republikaner, und Cantwell, eine Demokratin, betonten die Notwendigkeit eines ausgewogenen und verantwortungsvollen Vorgehens bei Handelsentscheidungen, die weitreichende Auswirkungen auf die nationale Wirtschaft und die globalen Märkte haben. „Handelspolitik ist zu wichtig, um sie einseitig zu gestalten“, sagte Grassley. Cantwell ergänzte: „Der Kongress muss mit am Tisch sitzen, wenn Zölle amerikanische Unternehmen und Verbraucher betreffen.“
Der Gesetzesentwurf wurde einen Tag nach der Ankündigung von Präsident Donald Trump vorgestellt, der eine neue Reihe von Zöllen verkündete – darunter eine 25%ige Abgabe auf alle im Ausland produzierten Autos sowie unterschiedliche Zölle für bestimmte Länder. Diese Entscheidung hat bereits Reaktionen von Handelspartnern ausgelöst und eine Debatte im Kongress entfacht.
Abgeordnete beider Parteien äußerten Bedenken, dass die Exekutive zu viel Macht über die Handelspolitik habe, insbesondere wenn Zölle ohne vorherige Konsultation verhängt würden. Grassley und Cantwells Gesetz zielt darauf ab, eine gewisse legislative Kontrolle wiederherzustellen, während gleichzeitig die Fähigkeit des Präsidenten erhalten bleibt, in Notfällen schnell zu handeln.
Befürworter des Gesetzes argumentieren, dass es ein notwendiges Gleichgewicht schaffe – schnelle Reaktionen auf ausländische Bedrohungen bei gleichzeitiger Wahrung demokratischer Kontrollmechanismen. Gegner warnen hingegen, dass eine Genehmigungspflicht durch den Kongress notwendige Handelsmaßnahmen verzögern und die Verhandlungsposition der USA schwächen könnte.
Während das Gesetz weiter beraten wird, wird mit intensiven Diskussionen in beiden Kammern gerechnet. Es spiegelt eine wachsende Besorgnis in Washington über die langfristigen Auswirkungen aggressiver Zollstrategien wider und zeigt den Wunsch nach mehr legislativer Beteiligung bei der Gestaltung der Handelspolitik.
Die Debatte findet vor dem Hintergrund wachsender Spannungen über Präsident Trumps Handelsagenda statt, die weitreichende Zölle zur Stärkung amerikanischer Industrien und zum Abbau von Handelsdefiziten vorsieht. Ob der Gesetzesentwurf genügend Unterstützung finden wird, bleibt abzuwarten – doch er signalisiert eindeutig eine Verschiebung im Diskurs über Entscheidungsprozesse in der US-Handelspolitik.